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Dezember
Die ersten Wochen im Dezember sind häufig recht kalt und schneereich. Jetzt könnte man überall Ski laufen, aber die Skisaison beginnt meist erst am zweiten Dezemberwochenende. Ich gehe häufig im Schnee wandern. Es ist romantisch im tiefen Schnee den Allmiwald zu durchstapfen und den Schiltgrat zu erklimmen. Da die Skilifte nicht in Betrieb sind, ist man mutterseelen allein. Über der frisch verschneiten, unberührten Landschaft liegt etwas Zauberhaftes. Gegen Mitte des Monats kommt häufig das typische "Weihnachtstauwetter". Die Temperaturen steigen deutlich über Null und lassen den Schnee wie im März schmelzen. Die Nervosität steigt kurz vor Weihnachten ins Unermessliche, wenn nicht genügend Schnee liegt. Da das Schilthorn auf 3000 m liegt, kann man aber dort eigentlich immer Ski laufen. Die Wetterfrösche können praktisch jeden Tag den gleichen Wetterbericht durchgeben: "Unten grau, oben blau." Das heisst, dass im schweizerischen Mittelland Nebel liegt und bei uns in Gimmelwald strahlend schönes Wetter herrscht. Die Frauen sind mit den Adventsfenstern beschäftigt.
Bis am 24. Dezember wird jeden Abend in einem anderen Haus ein mit Weihnachtsmotiven verziertes Fenster erleuchtet. Auf einem Abendrundgang durchs Dorf, kann man sich in einer halben Stunde von diesem Brauch auf Weihnachten einstimmen lassen. In der Weihnachtswoche füllen sich die Ferienwohnungen und Hotels. Da die Ferienwohnungen über die Weihnachtszeit langfristig gebucht werden, ist es jetzt beinahe unmöglich, noch eine freie Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer zu finden. In der Altjahrswoche wird es häufig kühler und der lang ersehnte Schnee fällt in Massen. Wo vorher Schneekanonen der Natur auf die Sprünge helfen, bringt Frau Holle den Schneemangel über Nacht zum Verschwinden. Die Biobauern im Dorf halten jeweils in Mürren einen Weihnachtsmarkt mit ihren Produkten ab. Sie bringen eine grosse Palette von Bioprodukten von Gimmelwald auf den Markt. In den letzten Jahren hat die Direktvermarktung einen riesigen Aufschwung erlebt. An vielen Bauernhäusern hängen Plakate, die auf den Verkauf von Produkten hinweisen.

 

Das Fineljääggi / Eine Sage

Das Fineljääggi zu Gimmelwald war sein Lebtag ein verworrenes Tonnermanndli, das alle Halme aus allen Hägen herausrupfte und jeden Batzen schindelte. Auf dem Finel oben, eine Stunde oberhalb des Dorfes, mähte es immer über die March und behielt den Abnutz für sich. Es war ein missgünstiger Geizgnäpper, seine Geissen frassen zur Hälfte gestohlenes Gras. Das Jääggi befahl ihnen des Morgens wie den Hühnern: "Flüg us, un gang suech!" Wenn die beiden Mutschen am Abend vollgefressen aus dem Gemeindewald kamen, dann brummelte es wohlgefällig in seinen Chuderbart:

" Dr Choch im Huus
Un d' Geiss im Wald
Verdärben nid bald !
Ja gewiss, heut hab' ich wieder gehuuset!"

Im Frühjahr, wenn Bach und Brunnen zu rinnen begannen, und die Bergweiden aper wurden, dann war das Jääggi beizeiten oben im Finel, um die seine von dem zu räumen, was der Winter Unerwünschtes zurückgelassen hatte.

Obsi g'ruumd ischt Zyt versuumd,
Nidsi g'ruumd ischt ewig g'ruumd!

Das Manndli liess sich das gesagt sein, warf eifrig an der Halde Schutt, Holzspreissel und Steine über die March seinem untern Anstösser zu. Alle guten Ermahnungen waren in den Wind gesprochen, aber als das Fineljääggi zu sterben kam - ooha! - da ging das nicht so leicht. Es war lange, lange Bettlieger, litt arge Schmerzen, und die Reue kam zu spät.

Nach seinem Tode sah man es unruhig mähen und auf seinem Grundstück so viel stehen lassen, wie es andern bei Lebzeiten Jahr um Jahr weggestohlen hatte. Dann wieder sah man das Jääggi stumm über die March treten und Steine von den Nachbargrundstücken räumen. Niemand wagte es mehr, vor heiterhellem Tag in dieser Gegend zu mähen, aus Angst, es könnte ihm ergehen wie dem geizigen Fineljääggi. Man sagt, dass es nach vielen Jahren von dem mühseligen Werk befreit worden sei, aber die March oben im Finel, über die es ein Menschenalter lang mit seiner spitzen Sense gierig hinübergegriffen, heisst noch jetzt die Jääggismarch.



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