Januar

Häufig gehören die ersten Januartage zu den kältesten des Jahres. Während im Mittelland der Nebel die Menschen verzweifeln lässt, herrscht bei uns klares, kaltes Winterwetter. Die Sonne zeigt sich im Dorf aber nur für kurze Zeit. Auf Eschen sieht man sie während ganzen sechs Wochen gar nicht mehr. In der Niderimatte erscheinen die ersten Sonnenstrahlen erst gegen Mittag, um schon kurz vor ein Uhr wieder hinter einem Gipfel zu verschwinden. Wer an die Sonne gehen will, muss mit der Bahn in die Höhe fahren. Bis am Dreikönigstag können jeden Abend die Adventsfenster bewundert werden. Das berühmte Januarloch ist auch in Gimmelwald spürbar. Während über Weihnachten jede Ferienwohnung vermietet wird, gleicht unser Dorf nach dem ersten Januarwochenende einem sinkenden Schiff. Die Schilthornbahn fährt den ganzen Tag Touristen aus allen Ländern nach Stechelberg. Gähnend leer bleibt der Parkplatz, um sich erst im Februar wieder zu füllen. Sehr häufig sind die Schneeverhältnisse aber gerade in der zweiten Januarhälfte am besten. Es hilft nichts. Die Hotels bleiben leer. Um diesem Übel abzuhelfen, wurde das Infernorennen ins Leben gerufen. Während einer dieser Januarwochen füllen sich die Hotels und Ferienwohnungen wieder. Ob es am gehörnten Schutzpatron liegt, dass harmlose Skifahrer urplötzlich zu Pistenroadies verkommen, ist noch nicht hinlänglich untersucht worden. Auf alle Fälle ist das Infernorennen mit seinen 15.8 km eines der längsten und spektakulärsten der Welt. Wenn sich über 1500 Hobbyskifahrer mit Todesverachtung in das Rennen stürzen, gibt es für die Zuschauer allerlei zu sehen. Der Samariterverein von Gimmelwald säumt zusammen mit dem Arzt und ein bis zwei Helikoptern den Pistenrand, um allfälligen Verletzen beizustehen. Die meisten Landwirte arbeiten tagsüber an den vielen Skiliften. Der Stall muss selbstverständlich abends und morgens besorgt werden. Landwirte im Pensionsalter bleiben im Dorf. Ebenfalls im Januar findet das weltbekannte Lauberhornrennen statt. Während der kalten Jahreszeit sieht man sie etwa einen Monat lang Holzpfähle für die Alpweiden herstellen. Aus grossen Fichtenstämmen werden mit unendlicher Sorgfalt hunderte von Pfählen gewonnen. Zuerst helfen der Spalthammer und mehrere Keile, um aus dem grossen Stamm Rohlinge zu gewinnen. Mit dem Beil und der Bandsäge werden die Pfähle danach zugespitzt und in Hundertertürmen gelagert. Letztes Jahr sah ich bei einem Bauern tausend Pfähle aufgestapelt. An der trockenen Luft müssen sie bis im Frühling auf den Einsatz warten.